Die Propangassignallaterne der Reichsbahn (DR)

 

Eine Kopie der DRG...

 

Auch die Deutsche Reichsbahn in der DDR verfügte über eigens konstruierte Laterne. Interessant ist allerdings: Diese Laterne ist ebenfalls, man nenne es teilweise "abgekupfert" (kopiert), von einer Laterne, welche es auch schon bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft gab.

 

Die Firma Pintsch fertigte vor und während dem 2. Weltkrieg schon Laternen, welche denen der DR äußerst ähnlich sehen. Diese waren vom inneren Aufbau her noch nicht so kompakt, der Druckminderer lag mehr oder minder lose in der Laterne. Diese Laterne übernahm man nun, und änderte Sie ein wenig ab:

 

 

Die Veränderungen

 

Bei der DR änderte man also das Modell ein wenig ab, passte es den gewünschten Funktionen an und vereinfachte es. Dadurch wurden die Produktionskosten in den VEB gesenkt und wertvolles Material eingespart:

 

Ein eigener Druckminderer mit Brenner wurde entwickelt und verbaut.

 

Das Brennerkopf wurde massiv aus Messing gefertigt, auf eine Keramikdüse wie beim Modell DB wurde verzichtet. Der Druckminderer wurde zweiteilig aus Messing und Hartkunststoff gefertigt.

 

Man brachte eine Metallgaze (Fliegengitter) in den Kamin ein, welche dafür sorgen sollte, den empfindlichen Glühstrumpf vor Beschädigung oder Zerstörung durch Insekten zu schützen.

 

Lackiert wurde im berühmten Mattschwarz der DR, die Laterne erhielt am Kamin einen roten Ring.

 

Die Technik

 

Im Bild rechts ist gut der eigens von der DR konstruierte Brennereinsatz erkennbar. Ebenfalls gut erkennbar ist die Reflektorhalterung mittels Drahtstift.

 

Der Brennereinsatz besteht wie bei der DB aus Messing, hier wurde aus Vollmaterial die Grundplatte gefräst, hinten über einen 90° Bogen der Brennerkopf mit Düse angebracht. Der Druckminderer wurde mittels Schrauben an die Grundplatte geschraubt, die Schlitzschrauben hatten durchbohrte Köpfe, durch welche eine Plombe geführt wurde. Abgedichtet wurde durch zwei O-Ringe. Das Unterteil des Druckminderers wurde aus Messing gefertigt, das Oberteil aus Hartkunststoff. Die Einstellschraube wurde durch eine Aluminiumschutzkappe geschützt. Bei Manipulationsversuch an der Druckeinstellung musste diese zerstört werden. Dies war neben der Plombe eine weitere Sicherungseinrichtung. Der Brennereinsatz wurde mittels vier Schrauben im Laternenboden verankert, jedoch nicht mittig, sondern leicht seitlich verschoben. Dadurch wurde der benötigte Platz für den Druckminderer in der Laterne geschaffen.

 

Die Gasflasche der DR wurde mittels Gewinde in die Grundplatte eingeschraubt, ebenfalls wie bei der DB mittels einer Gummischeibe abgedichtet. Das Gas strömte also von unten in die Grundplatte, von da aus in den Druckminderer, wieder zurück in die Grundplatte und von da aus rückseitig in der Brennerkopf, um das Gas zündfähig mit Sauerstoff zu vermischen. An der Spitze trat es aus, und wurde entzündet. Der Glühstrumpf wurde mittels Schaumstoff auf dem Brennerkopf festgeklemmt.

 

Die Gasdüse mit Bohrungsdurchmesser von 0,11 mm wurde ebenfalls aus Messing gefertigt. Sie besitzt jedoch die gleiche Gewindegröße wie die der DB, diese können also untereinander getauscht werden. Bei der DB wurde die Gasdüse mittels eines Kupferringes abgedichtet, bei der DR wurde die Grundplatte mit ein wenig Bleiweiß bestrichen, und damit die Gasdüse eingeschraubt/geklebt und dadurch nach dem Trocknen abgedichtet.

 

Dies Gasflaschen verfügten über einen seitlich am Flaschenhals angeschweißten Tragegriff. Zum Ventilschutz wurde eine Gewindeschutzkappe aus Kunststoff aufgeschraubt und eine Gummikappe dem Ventil übergestülpt. Die Flaschen sind zur Warnung vor dem brennbaren Inhalt rot lackiert.

 

Die Reflektoren wurden wie bei der DB  aus Spiegelglas gefertigt, diese konnten sowohl in den Petroleumsignallaternen, als auch in den Propangaslaternen verwendet werden. Später wurden die Glasreflektoren durch Reflektoren aus verchromtem Blech ersetzt. So wurden die Laternen leichter und man hatte weniger mit Glasbruch zu kämpfen.

 

Die Laterne erhielten auf der Rückseite eine Revisionstür für Wartungsarbeiten.

 

Der Bedarf

 

Der Bedarf bei der DR war bis in die letzten Stunden des Mauerfalls derart groß, dass weiterhin produziert wurde. Bis zum Mauerfall wurde beinahe nahtlos produziert. Viele Modelle dieser Laterne sind bereits im EAW aufgearbeitet worden, es waren Laternen verschiedenster Jahrgänge vertreten, Laternen aus jedem Jahrzehnt des Bestehens der DDR.

 

Zunächst wurden wie bei den Weichenlaternen und Gleissperrsignalen Aluminiumschilder aufgenietet, später nur noch mittels Nassschiebebild (wie Tagzeichen bei Zugschlusslaternen) Aufkleber aufgebracht. Hersteller war wie fast immer in der DDR das Schiffslaternenwerk Ueckermünde, später umfirmiert in das Kombinat Fortschritt Landmaschinen, VEB Sirokko-Gerätewerk Neubrandenburg, Betriebsbereich Ueckermünde. Das obige Bild zeigt eine der letzten gefertigten Laternen aus dem Jahr 1989. Diese letzten gefertigten Laternen wurden oftmals eingelagert, da Sie mit der beginnenden Elektrifizierung in den 90er Jahren nicht mehr benötigt wurden. Viele Laternen fielen so dem Schrott zum Opfer, doch ebenso fielen viele Laternen in Eisenbahner- und Sammlerhände. Es ist also bis dato mit viel Glück möglich, eine neue und unbenutzte DR-Propanlaterne zu erstehen. Das EAW besitzt in der eigenen Sammlung vier unbenutzte Propanlaternen der DR, teils noch mit altem Glas-, teils mit neuem Chromreflektor.

 

Bei der DR wurden auch die Pintsch-Petroleumlaternen bis in die frühen 70er produziert, dann natürlich mit den bekannten genieteten Schildern. Petroleum- und Propanlaternen wurden also parallel genutzt. Möglich ist ebenfalls, dass die Petroleumlaternen für militärische Zwischenfälle als Rückfallebene vorgehalten wurden, ähnlich wie bei der DB die Notlaternen.

 

Die Laternen der DR nach der Jahrtausendwende

 

An einem Bahnhof in Thüringen wurden bis in das zweite Jahrzent der 2000er Jahre die DR-Propanlaternen an den Formsignalen verwendet. Genaue Gründe hierfür sind unbekannt. In Eisenbahnerkreisen kursieren diverse Gerüchte, einige berichten von einem "alteingesessenen Reichsbahner, welcher es nicht zulasse, dass 'sein' Bahnhof elektrifiziert werde", wieder andere begründen es mit den geographischen Lage des Bahnhofs, welche "eine Elektrifizierung unrentabel mache." Ob derzeit dort immer noch Propanlaternen im Einsatz sind, ist unklar.

Im Wiederspruch dazu steht die Aussage der DB AG, bereits um die Jahrtausendwende (1999) zügig mit der Ausmusterung der Gaslaternen begonnen zu haben.

 

Lektüre

 

Bei der DR gab es eigens dazu eine Dienstvorschrift, welche den Umgang mit den Laternen genau beschrieb:

 

DV 875, Th. 51

Dienstvorschrift für Signalanlagen

Teilheft 51

Bedienung und Pflege der Signallaternen