Die "große Gaslaterne"                    Das Langsamfahrsignal Lf1

Dieses aus dem Bahnhof Betzdorf stammende Langsamfahrsignal, im Eisenbahnerjargon aufgrund der Bezeichnung im Signalbuch schlicht "Lf 1" genannt, ist wohl die größte Gaslaterne der DB.

Die Geschichte der größten Gaslaterne des EAW Kredenbach

(Die Geschichte des zum Symbol gewordenen Signals jetzt auch auf unserer Homepage!)

 

Der Anruf

 

Alles begann an einem sonnigen Mittag im Juli 2016. Das EAW erreichte ein Anruf unseres Informanten der Bahn:

 

"EAW Kredenbach, Geschäftsführung, Guten Tag!"

"Ja, Hallo! Hier *** , ich hab da was für euch!"

 

So platt schallte es aus dem Telefon.

Sofort gespannt lauschte man den Informationen:

 

"Hier liegt im Gebüsch ein Langsamfahrsignal!"

"Super, aber du rufst doch sicherlich nicht wegen einer Emaillescheibe an, oder?"

"Natürlich nicht! Lf1, alte Bauart, propangasbefeuert."

" Wie.....wie......wie bitte?"

 

Mit soetwas hatten wir absolut nicht gerechnet.

 

"Du hast schon richtig gehört. Wenn du schnell bist, gehört es dir. Ansonsten kommt nächste Woche der Schrotthändler! Der ist schon bestellt! Bezahlt ist es, das habe ich schon geregelt. Eine Hand wäscht die andere!"

 

Er schuldete uns noch einen Gefallen aus vorhergegangenen Aktionen.

 

"Aber bring dir 'ne Kreuzhacke und 'ne Schaufel mit. Bisschen zugewachsen. Motorsäge nicht vergessen!"

 

 

Die Bergung

 

Es kam wie es kommen musste, wie man es uns beschrieben hatte. Da lag es, unter Unmengen an Laub, Erde, Steinen, toten Ästen und anderem Signalmaterial begraben: Unser Lf1!

 

Zugewachsen im Gebüsch. Nach Benutzung hingeworfen, sich selbst überlassen, der Natur überlassen.

Doch damit war nun Schluss. Das traurige Dasein des Signals sollte ein Ende nehmen.

 

Es begann mit der Motorsäge. Dann folgten Kreuzhacke und Schaufel. Unmengen an Signalmaterial wurden von Hand auf Seite gehoben. 

Nach hundertfachem stolpern über alten Stelldraht von Formsignalen war es soweit. Das Lf1 konnte angehoben und aus dem Gebüsch geschleppt werden.

Nach dem Verladen wurde es ins EAW transportiert und zur weiteren Verarbeitung eingelagert.

 

Schadensaufnahme

 

Nachdem es am Vortag doch dunkel geworden war, konnte erst am nächsten Tag das volle Ausmaß der Katastrophe begutachtet werden. Das Signal wies bereits Durchrostungen auf, welche natürlich behoben werden mussten. Beim Öffnen der Klappen brachen fast alle Scharniere ab, ebenfalls festgerostet. Es mussten also auch Scharniere neu gefertigt werden.

 

Dann jedoch nach dem Entfernen der Signalscheibe eine wahre Freude: Die Halterungen für die alten Dunkelfeinde waren noch vorhanden. Es musste sich also um ein Signal aus den 30er Jahren handeln!

 

Die komplette Gasanlage inkl. Druckminderer machte jedoch keinen guten Eindruck mehr. Die Abdeckklappe für den Druckminderer fehlte auch. Der feuerverzinkte Signalmast hingegen war noch in gutem Zustand.

Die Aufarbeitung

 

In groben Arbeitsgängen wurde zunächst der lose Rost entfernt, anschließend die durchgerosteten Stellen großzügig ausgeschnitten.

Dann wurden die entsprechenden Stellen von restlichem Flugrost und Lack befreit, die einzusetzenden Stahlbleche zurecht geschnitten.

Verschweißt und umgebördelt waren die groben Fehler schnell behoben. Eingelötet wurde auch eine neue Metallgaze, welche den Glühkörper vor Beschädigungen durch Insekten schützen sollte. Die alte Gaze war komplett weggerostet.

Nun konnte das Signal wieder neu lackiert werden. Nach etlichen Lackiergängen erstrahlete es schließlich wieder in neuem, alten Glanz.

 

Der wichtigste und aufwändigste Arbeit stand jedoch noch aus: Die Anfertigung der Gasanlage.

 

Entsprechend der alten Gasanlage wurde, allerdings diesmal aus Kupfer, eine neue angefertigt. Bei der Installation stellte sich heraus, dass die alten kaputten Glühstrümpfe immer in den Signalmast geworfen wurden. Dies erschwerte die Installation.

Nach mehreren Versuchen und Stunden konnte sich das Ergebnis jedoch sehen lassen: Die Gasleitung war lang genug und wurde sofort an den Brennerkopf montiert.

 

Anschließend musste noch ein neuer Deckel für den Kasten des Druckminderers auf der Kantbank angefertigt werden. Für die Feinarbeiten musste der Schraubstock herhalten...

 

Das Signal wurde nun fertig montiert und war bereit für das Aufstellen vor unserem Werk.

 

Einweihungsfeierlichkeiten

 

Mehrere Säcke Beton, sowie große Steine wurden rangeschafft. Es galt, ein ausreichend großes Fundament zu gießen, welches auch bei Sturm den Hebelkräften des 3,5m Signals standhalten sollte.

 

Nach einer Woche durchtrocknen bei Siegerländer Sommerhitze (der Siegerländer Sommer ist weltbekannt) konnte bei einer kleinen Feierlichkeit das neue Signal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Mit den entsprechenden Gaslaternen ausgestattet konnte es sich tatsächlich sehen lassen.

 

Auf das es lange unser EAW als Eisenbahner-Reklame zieren wird!