Die Propangassignallaterne der Deutschen Bundesbahn

 

Links im Bild: Drei Gassignallaternen der Deutschen Bundesbahn nach der Aufarbeitung inklusive Gasflasche. Links mit originaler Ausstattung, mittig und rechts Umbau für einen Kunden auf elektrischen Betrieb.

 

Die nächste Generation der Formsignalbeleuchtung: Gaslaternen.

Wie schon auf der Hauptseite der Propangaslaternen beschrieben, ähneln diese sehr ihren Vorgängern, den Petroleumlaternen. Der  Blechkorpus der Petroleumsignallaternen wurde übernommen, lediglich ein Korb für die Aufnahme der Gasflasche hinzugefügt, ebenso ein zweiter Halter, sodass man diese sowohl an Hauptsignalen als auch an Vorsignalen verwenden konnte.

 

Der komplette Gaseinsatz wurde aus massivem Messinggussgefertigt. Zunächst beinhaltete dies auch den Druckminderer, später ging man jedoch dazu über, dieses mittels Schrauben und einer Dichtung anzubringen. So musste bei einem Defekt des Druckminderers nicht der komplette Gaseinsatz verworfen werden, sondern es musste nur der Druckminderer getauscht werden. Nach dem Druckminderer strömt das Gas durch eine Düse. Mittels einem Aufsatz wird das Gas zündfähig mit Sauerstoff vermischt und an den zentralen Punkt des Lampenkörpers transportiert. Über eine Keramikdüse, auf welcher der Glühstrumpf ruht, tritt es aus und wird entzündet. In Gegenden mit besonders kalter Witterung wurde ein rohrähnlich aufgebauter Kamineinsatz verwendet. Dieser musste gesondert beim Hersteller angefordert werden.

Die Gasflaschen wurden bei diesen Modellen mittels der im obigen Bild gut zu erkennenden Schraubvorrichtung von unten in den Gaseinsatz eingepresst und mittels einer Gummischeibe abgedichtet.

Die Gasflaschen verfügen über ein Ventil, welches zum öffnen einen Vierkant besitzt, wie fast alles bei der Bahn. Der Vierkannt misst 7mm x 7mm. Näheres zu den Gasflaschen finden Sie weiter unten.

 

Die Laternen wurden mit einem Spiegelglasreflektor augestattet, welcher perfekte Spiegelung und Helligkeit garantierte. Als Besonderheit wurden hier neben den klaren Glasscheiben, welche im übrigen immer aus Glas waren und nicht durch Acrylglas ersetzt wurden, auch gelbe/orangene Scheiben eingesetzt. Da alle Signale über die verschiebbaren Blenden verfügten, je nach Stellung der Tafeln/Flügel, bestand diese Notwendigkeit. Bei Langsamfahrsignalen wurde jedoch teilweise der Einsatz einer Scheibe in die Laterne nötig, um direkt den gelben Lichtpunkt zu erzeugen.

 

Für Formvorsignale mit Spiegelkasten wurde statt dem Milchglas auf der Rückseite eine Putztür mit Klarglas eingesetzt.

 

Da allerdings zu diesem Zeitpunkt die Elektrifizierung einiger Strecken und Bahnhöfe schon begann, war hier leider bereits ein Ende der Signalbeleuchtung mit offenem Licht abzusehen. Die oben gezeigten Laternen stammen aus den 50er Jahren, ein genaues Herstellungsjahr lässt sich leider aufgrund der fehlenden Prägungen bei diesem Laternentyp nicht mehr nachvollzieen. Als jedoch eine letzte Generation von Propansignallaternen gefertigte wurde, wurden wieder Jahreszahlen eingeprägt, wodurch auch der Kamin etwas angepasst wurde. In diesen sind dann häufig die Jahreszahlen 1962 und 1963 zu finden. Diese sind in der Tür eingeprägt.

 

Im Jahre 1999 erhielt dann die LED-Beleuchtung die Zulassung des Eisenbahnbundesamtes, und die entsprechenden Genehmigungen zum Betrieb der Gaslaternen erloschen schrittweise. Die Gaslaternen wurden somit zügig durch LED-Beleuchtungen ersetzt. Somit kann die Jahrtausendwende als Ende der Beleuchtung mittels offener Flamme angesehen werden.

 

Nun noch einige Informationen zu den Gasflaschen:

 

Die verwendeten Gasflaschen verfügen über ein Füllvolumen von 3,2kg Propangas. Im Gegensatz zu den Gasflaschen der DR besitzen diese keinen Tragegriff, denn die Schutzkappe, welche auf die Gasflasche geschraubt wurde, besitzt einen Henkel, welcher das einfache Tragen ermöglicht. Zusätzlich gesichert wurden die Gasflaschen durch eine schwarze Kunststoffkappe, welche direkt über den Gasaustritt der Flasche geschraubt wurde. Dies diente zur weiteren Sicherung und schützte vor dem Verlust der bereits aufgebrachten Gummidichtung. Ein Papiersiegel zeugte von Originalbefüllung und zeigte an, dass die Flasche sicher verwendet werden kann.

Auf einem Messingschild, welches ein einen blechernen Einschub eingebracht werden konnte, erhielt der Lampenwärter alle nötigen Informationen: Herstellungsjahr, das letzte Prüfdatum, das Datum der nächsten Prüfung, den Inhalt...

 

Diese Gasflaschen haben einen echten Seltenheitswert. Da Gasflaschen als Druckbehälter gelten hat die Deutsche Bundesbahn übrig gewordenen ebenso wie die Deutsche Bahn AG alle Flaschen verschrottet, welche sich noch in Altbeständen befanden oder in einem Schuppen auf dem Güterbahnhof auftauchten. Die letzten Gasflaschen (etwa 400 Stück) wurden um die Jahrtausendwende von der DB verschrottet. Gasflaschen welche heute noch auf dem Markt auftauchen, sind über Umwege zu den Sammlern gelangt oder wurden vor dem Schrott nach der Ausmusterung gerettet. Es sind jedoch mehr Gasflaschen der DB im Umlauf, als welche der DR. Dies wird vor allem auf die geringere Stückzahl zurückzuführen sein.

 

Generelle Informationen zu den Propansignallaternen:

 

Sollten Sie über eine Gaslaterne verfügen, so raten wir Ihnen dringenst davon ab, zu versuchen, diese wieder mit Gas in Betrieb zu nehmen. Die Druckminderer sind teilweise über 40 Jahre nicht gewartet worden. Hier können sich Schwitzwasser und andere Ablagerungen gebildet haben, welche die Funktionalität der Gasanlage extrem beeinträchtigen können. Explosionen sind denkbar!

 

Sollten Sie ebenfalls über eine gefüllte oder teilgefüllte Gasflasche verfügen, so bitten wir eindringlich, diese von einem Fachmann entleeren zu lassen. Auch Schweißnähte, Dichtungen und Ventile haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Die Gasflaschen stehen unter Druck von mehreren Bar. Die restlos entleerten Gasflaschen können danach als Dekoration an den Laternen wieder Verwendung finden.

 

Bei Kauf einer unserer Signallaternen muss dies zugesichert werden, da das EAW nicht für dadurch entstehende Schäden haftet. Bei Hinwegsetzung darüber haftet der Käufer. Prinzipiell versenden wir nur restlos entleerte Gasflaschen.